Praxis für Logopädie, Margita Händel-Rüdinger

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Sprache - Sprachstörungen

 

Wir brauchen die Sprache, um an Dinge, Gefühle und Handlungen denken zu können, z. B., um uns Palmen, Strand und Meer oder um uns einen Geschmack vorstellen zu können.

 

Wir benötigen die Sprache, um uns unterhalten zu können, z. B. wenn man wissen will, wie es dem Kind im Kindergarten gefallen hat.

 

Viele Kinder können sich nur ungenügend Vorstellungen und Gedanken machen. Sie können, wenn ein anderer erzählt, nur schwer Bilder im Kopf entwickeln und sich deshalb auch nicht ausreichend ausdrücken. Das hat in den meisten Fällen nichts mit Intelligenz zu tun. Es sind Kinder, deren

  • Sprachentwicklung verzögert beginnt (Sprachentwicklungsverzögerung),
  • Sprachverständnis nicht sicher ist (Sprachverständnisstörung),
  • Wortschatz eingeschränkt ist (eingeschränkter Wortschatz),
  • Sätze nicht richtig sind (Dysgrammatismus),
  • Sprachentwicklung gestört ist (Sprachentwicklungsstörung, Rückstand mehr als 2 Jahre),
  • Fähigkeit, zwei Sprachen zu lernen, erschwert ist (Mehrsprachigkeit).
  • Die nicht alleine spielen können.

 

Auf diese Art Störungen haben wir uns spezialisiert und haben die Methode nach Barbara Zollinger zu unserem Schwerpunkt in der Kindertherapie gemacht (Literatur: Barbara Zollinger: Die Entdeckung der Sprache, Haupt-Verlag).

 

Methode

Das ganze Kind steht im Blick unserer Betrachtung, nicht nur die Sprache. In der Therapie geht es darum, dem Kind einen Weg zu zeigen, wie es mit dem, was es in der Welt und wie es die Welt wahrnimmt, zurechtkommt und es für „mehr“ Sprache und, wenn es älter ist, für eine korrekte Aussprache zu interessieren.

 

Bei kleinen Kindern fördern wir die Sprache über therapeutisches Spielen. Dazu steht alltägliches Spielmaterial (Handpuppen, Kochgeschirr, Bau- und Naturmaterialien usw.) bereit.

 

Um verstärkt auf den Bereich der Sinneswahrnehmung und Bewegung eingehen zu können, bauen wir Spiele aus der sensomotorischen Integrationstherapie mit ein. Dazu stehen Sprossenwand, schiefe Ebene, Hängematte, Trampolin, Kuschelsack, Sandsäckchen, Montessori-Material u. v. m. zur Verfügung.

 

Die Sprache verstehen
Die Sprache Verstehen Eine Familie sitzt beim Frühstück, eines der Kinder hat Milch verschüttet. Die Mutter sagt „Hol´ schnell ein Tuch”. Das eine Kind, das im zweiten Lebensjahr ist, kann „Tuch“ nachplappern und - wenn es es auf dem Tisch sieht - dann auch geben. Da dies aber auf der Spüle in der Küche liegt, tut es aber nichts. Das zweite Kind, das im dritten Lebensjahr ist, steht auf, geht in die Küche und holt das Wischtuch.

 

Das Spiel
Bis ca. 18 Monate konzentriert sich ein Kleinkind ganz auf einen Gegenstand, z. B. den Telefonhörer. Es führt ihn zum Ohr oder in dessen Nähe, weil es das bei Erwachsenen so sieht und drückt auf den Knöpfen herum, weil das Spaß macht. Wenn es dann sicher ist, für was das Telefon gut ist, dass man damit z. B. den Papa im Geschäft erreichen kann, kann es diesen Gegenstand gebrauchen, „um“ Papa „zu erreichen“. Die Tätigkeit des Kindes hat sich damit von der einfachen Funktion hin zum „ich kann damit etwas bezwecken“, nämlich Papa erreichen, verlagert und das ist ein Erfolgserlebnis.

 

Die Persönlichkeitsentwicklung
In den ersten Monaten ist das Kind eng mit der Mutter verbunden. Über das Fremdeln beginnt das Kind, sich aus der engen Beziehung mit der Mutter zu lösen. Der Loslösungsprozess verstärkt sich in der Trotzphase, wenn das Kind erkennt, dass die Mutter nicht immer das tut, was es will. Dann, wenn es fähig wird, seinem Handeln Bedeutung zu geben, ist es auch fähig, sich als eigene Persönlichkeit zu erkennen und anzunehmen. In der Sprache äussert sich dies, in dem das Kind ganz klar ICH sagt, dann ein WIR-Gefühl entwickelt und beginnt, Freundschaften zu knüpfen.

 

Konsequenz einer Verzögerung
Die Fähigkeit, die Szene eines ganzen Satzes als Bild im Kopf aufzubauen und weitere Szenen zu entwickeln, fehlt den meisten Kindern mit einer verzögerten Sprachentwicklung. Kinder, die nicht genügend Vorstellungen haben, können deshalb oft nicht richtig spielen, weil sie wenig Ideen haben. Deshalb kann sich das Sprechen auch nicht richtig weiterentwickeln. Ist der Loslösungsprozess nicht sicher vollzogen, kann sich dies ebenfalls auf die Entwicklung der Sprache auswirken.

 

Der Rückstand verzögerter Kinder wird nach und nach deutlich sichtbar. Kommen sie in den Kindergarten, wird es ihnen schnell langweilig, sie werden unruhig und zappelig oder passiv und verträumt. Meist sind bereits zwei Jahre vergangen, in denen nicht viel geschehen ist, bis sie dann mit ca. vier Jahren eventuell zur Abklärung kommen. Sind sie im Vorschulalter, interessieren sie sich lange nicht für die Welt der Buchstaben und leiden später eventuell unter Lese- und Schreibschwierigkeiten und verstehen Texte oder Textaufgaben nicht. Oft tun sie sich schwer im Kontakt mit anderen. Das alles hat meist mit mangelndem Verstehen der Sprache zu tun.

 

Schwierigkeiten - Was tun?
Wenn Eltern das Gefühl haben, ein Kind hat Mühe mit der Sprachentwicklung, sollten sie möglichst schnell, bereits ab dem zweiten Lebensjahr, etwas unternehmen und eine Fachperson aufsuchen. Kinder spüren nämlich, wenn die Eltern sich Sorgen machen und beunruhigt sind, und das Verhältnis zwischen ihnen wird deshalb belastet.

 

Wichtig ist, sich nicht mit Worten wie „das kommt schon noch“ vertrösten zu lassen, sondern so lange nachzufragen, bis wirklich das Gefühl vorhanden ist, sich keine Sorgen machen zu müssen.

 

Die Erfahrung zeigt, je früher eine Abklärung erfolgt, desto weniger Therapie braucht ein Kind. Manchmal genügt zunächst ein Gespräch mit den Eltern.

Praxis für Logopädie
Margita Händel-Rüdinger